Wer bereits einmal am Autoverkehr in Frankreichs Hauptstadt teilgenommen hat, spricht hinterher entweder vom "absoluten Chaos" oder aber von "flexibler Kreativität" – alles eine Frage der Sichtweise. Fakt ist, dass Pendler, Lieferverkehr und die motorisierten Bewohner Paris früher oder später den Verkehrskollaps bescheren werden.
Bürgermeister Bertrand Delanoë will dieses Szenario verhindern und macht sich unter Autofahrern dennoch nicht nur Freunde – weil er auf Umerziehung setzt. Die Straßen werden zugunsten von Tram und Radwegen verschmälert. Wer mit dem Auto zu lange braucht, wird schon irgendwann umsteigen. Erleichtert wird dieser Schritt durch Delanoës Vorzeigeprojekt Vélib: 20.000 günstige Leihfahrräder, die den Parisern 365 Tage im Jahr 24 Stunden zur Verfügung stehen – und für deren Stationen Hunderte der ohnehin knappen Parkplätze weichen mussten.
Doch der Unmut der Autofahrer ficht den Bürgermeister nicht an: "Ich freue mich auf das neue Gesicht von Paris". Ein wenig Grün steht ja auch jeder Stadt gut.
10. August 2009