Einem Sprichwort zufolge sieht man manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht. In vielen Großstadtdschungeln sorgen allgegenwärtige und sich gegenseitig an Größe und Farbigkeit übertreffende Reklameflächen für allgemeine Verwirrung.
"Schluss damit", dachte sich Gilberto Kassab, Bürgermeister von São Paulo, kurz nach seinem Amtsantritt. Also beschränkte er die Werbeflächen im öffentlichen Raum der 18-Millionen-Metropole radikal – und ließ sich auch vom zu erwartenden Aufschrei von Werbeindustrie, Handelskammer und Ladenbesitzern nicht beirren.
Wer jetzt durch die Straßen São Paulos geht, sieht statt brasilianischer Supermodels im XXL-Format und schreiender Neonschriftzüge endlich wieder das wahre Gesicht der Stadt – auch wenn der eine oder andere sagt, es sei kein sonderlich schönes. Trotzdem: Die Mehrzahl der Einwohner ist zufrieden. Mut lohnt sich eben manchmal.
23. März 2009