Manchmal ist Mut nicht ganz klar von anderen – mitunter weit weniger schmeichelhaften – Eigenschaften abzugrenzen. So würde manch einer unseren aktuellen Mutigen vielleicht eher als besonders dreist bezeichnen. Wir finden, dass er sich seinen Platz hier trotzdem redlich verdient hat.
Über die vergangenen Monate bekamen mehrere Pariser Luxusherbergen Besuch vom Privatsekretär eines saudischen Prinzen. Sein Herr samt Gefolge befinde sich praktisch bereits im Anflug auf die Seine-Metropole, zunächst müsse jedoch die Unterbringung einem gründlichen Test unterzogen werden.
Die Hotels stellten dem Mann in Erwartung eines bombastischen Geschäfts ihre besten Suiten zur Verfügung – und sahen ihn, nachdem er den Service einige Tage lang genossen hatte, niemals wieder. Den saudischen Prinzen bekamen sie selbstverständlich ebenfalls nie zu Gesicht.
Der arbeitslose Bauarbeiter Jamel hat sie – ausgestattet mit Kaschmirsakko, Vuitton-Uhr und überlegen-selbstsicherem Auftreten – allesamt getäuscht. Inzwischen muss sich der gebürtige Tunesier jedoch mit geringerem Komfort bescheiden – er sitzt in Haft.
21. Dezember 2009