Bigotterie ist wohl mit das Schlimmste, was man einem Politiker vorwerfen kann. Erst recht, wenn es sich um einen bibeltreuen Republikaner handelt, der die Familie als zentralen Wert der amerikanischen Gesellschaft proklamiert. Und der bei der Jagd auf Bill Clinton nach der Lewinsky-Affäre an vorderster Front gekämpft hat.
Dies erklärt möglicherweise das merkwürdige Verhalten, das Mark Sanford während der vergangenen Woche an den Tag gelegt hat. Erst war der Gouverneur von South Carolina ganze sechs Tage spurlos verschwunden, ohne dass selbst sein Stab oder seine Ehefrau näheres wussten. Über eine Kur und eine Wanderung in den Appalachen wurde spekuliert.
Als Sanford schließlich wieder auftauchte, berief er eine Pressekonferenz ein. Und benötigte quälend lange zwanzig Minuten, um endlich das auszusprechen, was ohnehin schon jeder wusste: "Ich habe meine Frau betrogen".
Mit dem Mut ist das eben manchmal so eine Sache.
29. Juni 2009